TORGAUER ZEITUNG · 10. April 2004 · Redakteur Uwe Gutzeit


Ehrung für Kirchbach zum 300. Geburtstag

Zu Ostern werden zahlreiche Nachfahren des Hans Carl von Kirchbach nach Belgern kommen, um dort innerhalb des Ostergottesdienstes am Sonntag, dem 11. April, ab 10 Uhr, gemeinsam mit den Belgeranern und weiteren Gästen seiner zu gedenken.

Hans Carl von Kirchbach fand 1753 in der Kirchbachschen Familiengruft an der Bartholomäus Kirche seine letzte Ruhestätte. Der Königlich Sächsische Berghauptmann Hans Carl von Kirchbach wurde fast auf den Tag genau vor 300 Jahren, am 11. April 1704, auf dem elterlichen Rittergut Tauschwitz geboren. Aus diesem Anlass sollen hier zwei Episoden aus dem Leben dieses interessanten Menschen vorgestellt werden, der sich in hohem Maße um Sachsen verdient gemacht hat.

Mit Bach und Gottsched

Im Jahre 1724 verließ Hans Carl von Kirchbach die heimatlichen Gefilde, um in Leipzig Wirtschaftskunde und Naturwissenschaften zu studieren. Dort wurde er Mitglied einer später sehr bekannten literarischen Vereinigung, der Deutschen Gesellschaft. Diese Gruppe junger Adliger organisierte anlässlich des Ablebens der Kurfürstin Christiane Eberhardine von Sachsen, der Gemahlin August des Starken, am 5. September 1727 eine Gedenkfeier in der Universität. Sicherlich war es die große Beliebtheit der hoch geachteten Kurfürstin, die ihren protestantischen Glauben bewahrt hatte, als der Kurfürst zum katholischen Glauben übertrat, die diese Aktivität auslöste. Hans Carl von Kirchbach übernahm Organisation und alle Vorbereitungen der Trauerfeier.

Zunächst musste er vom Dresdner Hof die Genehmigung einholen. Mit Johann Sebastian Bach vereinbarte er gegen den Widerstand des Universitäts-Musik-Direktors Gröner die Komposition einer Kantate, für die sein Freund und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft Johann Christoph Gottsched das Libretto schrieb. "In der reich geschmückten Universitätskirche hielt sodann am 13. Oktober 1727 der sächsische Cavallier Hans Carl v. Kirchbach mit besonderem Ruhm zum Gedächtnis der höchstseeligen Königin und Kurfürstin inmitten der Trauerode eine wohlgesetzte Teutsche Trauer- und Lobrede, die der bedeutenden Gästeschar zu hohem Wohlgefallen gereichte."

Organisationstalent

Als Hans Carl v. Kirchbach am 13. November 1729 das Edelfräulein Sophie Hedwig Christiane Vittzhum v. Eckstädt auf Medingen heiratete, empfing er von seinen akademischen Freunden J. C. Gottsched und J. F. Mayen Huldigungen, die schon damals die enorme Anerkennung durch seine Umwelt verdeutlichten. Gottsched schrieb zum Beispiel: "Ganz Sachsen nennt Dich noch das Muster edler Söhne in der Beredsamkeit. Die Königin erblich, und Deine Zunge pries ihr Lob so meisterlich, so edel, so belebt."

Nach seinem Studium war es Hans Carl von Kirchbach möglich, nach Freiberg in das Bergfach zu übersiedeln, "wo er in Metall und Erz und Schachten kündig ist." Hier stieg er bald zum Berghauptmann auf. In der Bestallung durch den Sächsischen König wurde Hans Carl v. Kirchbach mit umfangreichen Pflichten betraut, vor allem auch den Frieden und die Gerechtigkeit auf den Bergwerken zu erhalten. Sein besonderes Organisationstalent und seine dichterischen Fähigkeiten bezeugte Kirchbach erneut, als er am 19. August 1739 anlässlich der Anwesenheit beider königlicher Majestäten in Freiberg den abendlichen Bergaufzug von 3535 Bergmännern organisierte.

Drei "Bergrheien" auf das besondere Wohl des Königs und dessen Anerkennung der Bergmanns-Arbeit waren dazu der Feder von Hans Carl v. Kirchbach entflossen. Sie wurden zu später Stunde von den Bergmännern als Ehrung der Majestäten abgesungen.

(Nach Informationen von Gabriele Zeitler-Prüfer, Nachfahrin des kirchbachschen Stamms "Tauschwitz", sowie zeitgenössischen Quellen)

Hans Carl von Kirchbach

11. April 1704 Geboren auf dem Rittergut Tauschwitz bei Belgern

1723 -1727 Studium an der Universität zu Leipzig

11. März 1728 Ernennung zum Beisitzer beim Oberbergamt in Freiberg

1729 Eheschließung mit Sophia Hedwig Christina Vitzthum von Eckstädt aus dem Hause Medingen

1733 bis 1753 Berghauptmann zu Freiberg

1736 bis 1745 Leiter des Oberbergamtes zu Freiberg

3. November 1753 Tod nach kurzer Krankheit auf seinem Rittergut Prieschka bei Bad Liebenwerder; Beisetzung in das Kirchbachsche Erbbegräbnis an der Bartholomäuskirche zu Belgern.